Donnerstag, 7. November 2013
Guten Morgen Ibiza
Wie sieht so ein Morgen auf Ibiza aus? Eigentlich ganz schön: Die Luft ist frisch
und kühl, die ersten Vögel zwitschern, im Wald duftet es nach Pinien und wilden
Kräutern, die Sonne klettert aus dem Meer hervor und lässt den Himmel in einem
zauberhaften Rosarot erleuchten…

Aber warum dann nur „eigentlich“ ganz schön???

Weil manche Morgen etwas anders sind als andere. Und von einem solchen Morgen möchte ich heute erzählen.

Wie gewohnt gehe ich nach dem Aufstehen in die Küche und mache mir einen Kaffee. Carlos läuft noch etwas schläfrig um mich herum, Daniel liegt noch im Bett und durch die schmalen Schlitze der Fensterläden scheinen die ersten Sonnenstrahlen hindurch. Bisher also ein normaler Morgen, wie gesagt, bisher. Aber das sollte sich jetzt ändern…

Ich muss jedoch zuvor mit meiner Erzählung etwas ausholen, um den weiteren Verlauf der Geschichte zu erklären. Es sei nur soviel voraus gesagt: Die morgendliche Idylle war an diesem Morgen für mich schnell vorbei und endete mit einer dicken Beule und etwas Ärger im Paradies. Aber ich will nicht zuviel verraten…

Am Abend zuvor kamen wir nach einem herrlichen Spaziergang nach Hause und in der kleinen Bungalowanlage, in der wir in dieser Zeit wohnten, war alles in Aufruhr. Ich hörte so etwas wie „la policia“ in einer Unterhaltung. Der Hausverwalter kam zu unserem Auto und erklärte mir auf Spanisch, dass in mehrere Bungalows eingebrochen und die technischen Geräte und Geld gestohlen worden waren. Wir sollten dringend bei uns nachsehen, ob auch etwas fehlte, weil gleich die Polizei käme.

Aufgeregt gingen wir über die Terrasse zu unserem Bungalow und schlossen die Tür auf. Man glaubt nicht, wie schnell der Puls in einem solchen Moment steigen kann. Alles, was wir besaßen, war in dem kleinen Häuschen! Wir öffneten die Tür und schauten hinein: Es sah alles aus, wie wir es verlassen hatten. Bei uns hatte man nicht eingebrochen. Der Vermieter sagte, wir hätten großes Glück gehabt, in alle hinteren Bungalows sei eingebrochen worden, außer in unseres! Ich dachte nur „Gott sei Dank“ und ging wieder auf die Terrasse. Ich schaute mich um und überlegte: „Was für ein Glück, dass wir verschont geblieben waren, dabei lag unser Bungalow direkt am Waldrand und etwas abgelegen vom Weg, eigentlich sehr günstig, um einzubrechen. Als ich über unsere Terrasse zurück zum Auto lief, bellten sofort die Hunde, die auf dem Grundstück unterhalb von uns waren und immer bellten sobald sich irgendetwas an ihrem Zaun bewegte. Ich wollte schon aufstöhnen, da schaute ich die beiden äußerst aufmerksamen Wachhunde an. In dem Moment begriff ich, warum bei uns nicht eingebrochen worden war. Die Hunde wachten hier und bellten sofort, wenn sich jemand dem Haus näherte! Ich grinste die beiden an und sagte: „Danke! Vielen lieben Dank!“

Soweit so gut. Eigentlich könnte meine Geschichte hier zu Ende sein. Alles noch mal gut gegangen. Aber wieder einmal nur „eigentlich“… Denn noch wusste ich nicht, dass der Vorfall von jenem Abend noch Konsequenzen nach sich ziehen würde, Konsequenzen, die mir nicht im Traum eingefallen wären. Kommen wir also nun zurück zu dem besagten Morgen:

Ich setzte mich verschlafen mit meinem Kaffee an den Küchentisch und machte den Laptop an. „Bitte Passwort eingeben!“ erschien sogleich in leuchtenden Ziffern
auf dem Bildschirm. Verwundert schaute ich auf das Gerät. Passwort? Wir hatten gar kein Passwort!? Ich überlegte einen Moment lang und beschloss dann erst einmal etwas anderes zu machen. Ich war noch zu müde, um mich damit zu beschäftigen. Ich stand auf und ging gemütlich zu einem der Fenster, zog die Vorhänge auf und blinzelte dabei verschlafen in die Morgensonne. Ich hatte die Vorhänge noch nicht ganz beiseite geschoben, da spürte ich erst einen dumpfen Schlag auf meinem Kopf und dann noch einen unterm Auge. Erschrocken schloss ich die Augen und hielt mir den Kopf. Was war das denn??? Etwas benommen schaute ich zu Boden. Dort lag ein dicker Knüppel direkt vor meinen Füßen! Der war mir geradewegs aus der Gardine heraus auf den Kopf gefallen. Warum um alles in der Welt befand sich ein Knüppel in unserer Gardine???

Und dann ging mir ein Licht auf! Passwort im Laptop, Knüppel in den Gardinen… Mein Mann hatte wohl gestern Abend die brillante Idee gehabt, sich gegen mögliche
Einbrecher zu wappnen und Vorbereitungen getroffen, während ich nichtsahnend friedlich im Bett gelegen hatte. Wie toll! Ich hielt mir weiter den Kopf und strich mir mit den Fingern vorsichtig über die dicke Beule. Das war ja wohl nicht zu fassen! Wie nett, dass Daniel mir über seine „Geheimoperation Einbrecherfalle“ kein Sterbenswörtchen verraten hatte!
Misstrauisch schaute ich mich im Haus um, darauf gefasst gleich in die nächste
Falle zu tappen. Vor meinem geistigen Auge sah ich Daniel im Dunkeln durchs
Zimmer schleichen und Fallen aufbauen, natürlich alles streng geheim… Aber zum
Glück waren das die einzigen Schutzvorbereitungen, die mein Mann gestern Abend
getroffen hatte.

Also wieder was gelernt: Hundegebell auf Ibiza ist manchmal etwas nervig, kann aber sehr hilfreich sein. Einbrecher sind meist gar nicht so gefährlich, einfallsreiche
Ehemänner dagegen schon eher. Und zu guter letzt: Morgens immer schön langsam die Gardinen aufmachen!



Ich würde Euch ja jetzt noch erklären, wie man bei einem ganz normalen Spaziergang dazu kommt, hunderte Meter durch dichtesten, stacheliges Gebüsch zu krabbeln, um anschließend über eine 2,50 m hohe Friedhofsmauer zu klettern, selbstverständlich mit Pudel, der natürlich äußerst verdutzt dreinblickt, während er in mehreren Schritten über besagte Mauer gehoben wird, aber das ist eine längere Geschichte…



PS

Auch wenn ich es an diesem Morgen alles andere als lustig fand, so musste ich beim Schreiben dieser Geschichte selbst viel lachen…

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